Warum der letzte?

Vor 15 Jahren habe ich den Chiemgauer100 ins Leben gerufen weil es in Europa kaum lange Läufe und schon gar nicht abseits der Straße gab. Selber war ich über 10 Jahre auf Ultras unterwegs, was mir persönlich viel gegeben hat. Durchs Organisieren des Chiemgauer100 habe ich gerne etwas davon an die Läufergemeinschaft zurückgegeben. Die Ultraläufer waren eine kleine Gruppe der man sich auch persönlich verbunden fühlte.

Mittlerweile kann ich mich aufgrund von Fußproblemen nur noch als "retired ultrarunner" bezeichnen, der Sport hat den neuen Namen Ultratrail erhalten und sich zu einem Massenphänomen gewandelt. Veranstaltungen werden oft aus kommerziellen Gründen und nur selten aus Liebe am Landschaftslauf ausgerichtet. Gleichwohl findet sich jeden Sommer eine nette Gruppe von Läufern im Chiemgau ein, die diese familäre Veranstaltung zu schätzen wissen und deren Freude am Chiemgauer100 haben mich Jahr um Jahr dazu gebracht meine Gedanken ans Aufhören zu verschieben.

Nun ist es aber soweit: Ich denke ich habe genug an die Läufergemeinschaft zurückgegeben und will einfach mal wieder einen freien Kopf für andere Gedanken haben, mir für andere Dinge Zeit nehmen. Auch will ich die vielen Helfer die teilweise seit 15 Jahren treu ihre Dienste verrichten und auch nicht jünger werden nicht länger belasten. Ich denke es macht ihnen sicherlich Spaß als Helfer dabei zu sein, aber es bedeutet für sie auch Einschränkungen und einige helfen sicher auch nur aus Freundschaft zu mir mit, um mich nicht hängen zu lassen.

Gibt es denn keinen Nachfolger/in? Ich habe die letzten Jahre vergeblich danach gesucht. Nachdem es ernst wird findet sich nun vielleicht doch eine kleine Gruppe zusammen, die den Lauf nach ihren Vorstellungen aber mit gleichem Charakter weiterführt. Nach 15 Jahren können jüngeres Blut und neue Ideen nicht schaden. Aber gesichert ist noch nichts. Ich unterstütze gerne weiterhin mit Rat, Tat, Material und Beziehungen, werde aber nicht mehr als Chef fungieren. Nachfolgeläufe gibt es aber bereits zumindest in anderer Hinsicht: Einige Teilnehmer der ersten Jahre haben (aufgrund ihrer Erfahrungen beim Chiemgauer100?) selber Ultraläufe ins Leben gerufen, bei denen der Läufer und nicht sein Geldbeutel an erster Stelle steht.

Vorab schon einmal einen riesen und herzlichen Dank an alle die mich die letzten Jahre unterstützt haben. Diejeneigen, die meiner Meinung nach Kraft ihres Amtes oder Funktion ein Interesse daran haben müssten dass der Lauf stattfindet haben sich zwar in Zurückhaltung geübt, dafür war es aber eine wahnsinnig positive Erfahrung zu sehen wieviele uneigennützige und hilfsbereite Menschen es gibt, die mich unterstützen und bei Problemen sofort mit Rat und Tat einsprangen, obwohl sie von ihrem Einsatz in keinster Weise profitierten!

Es würde mich freuen wenn zum Abschiedslauf 2020 viele von Euch, die den Chiemgauer100 schon schätzen gelernt haben, wieder dabei sind und wenn viele, die "schon immer mal kommen wollten", die vielleicht letzte Chance nutzen!

Gi